ta 20110726 yogi flieger 200Der Bund lässt die Ausbildung für Alternativmediziner reglementieren - zur Sicherung der Qualität. Damit beauftragt hat er einen Verband, in dessen Vorstand ein Mitglied der Sekte der Yogi-Flieger sitzt.
Tages-Anzeiger, 26. Juli 2011

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Daniel Foppa

«Das Fliegen ist nicht nur geistig zu verstehen, man hebt wirklich ab», sagt Franz Rutz. Der 59-Jährige ist ein sogenannter Yogi-Flieger und ein Exponent der Guru-Bewegung Transzendentale Meditation (TM). Ihre Anhänger behaupten, sie könnten fliegen. «Als Fortgeschrittener beherrscht man das yogische Fliegen dank vielem Üben und Disziplin», sagte Rutz im Januar der «Zürichsee-Zeitung». Wer sich die Flugkünste der Yogis auf Youtube anschaut, ist allerdings eher geneigt, von Yogi-Hüpfen im Lotussitz zu sprechen.

Rutz ist überzeugt, dass Yogi-Flieger die Gesellschaft beeinflussen: «Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Kriminalität in Städten reduziert, wenn dort 1 Prozent der Bevölkerung die Technik der Transzendentalen Meditation ausübt.» Auf Websites wie unbesiegbareschweiz.ch finden sich die von Rutz erwähnten Studien. Zu lesen ist etwa: «Von 1979 bis 1988 verbesserten sich jedes Mal dann, wenn die Kohärenzgruppe an der Maharishi International University (Iowa) die Schwellenwertmarke übertraf, die wirtschaftlichen Trends in den USA. Der Misery-Index fiel um 36,1% (p<8,7 × 10-7).» Auf gut Deutsch: Je mehr Yogis in Iowa hüpften, desto besser ging es der US-Wirtschaft.

Steuergelder für die Flieger

Rutz betont auf Anfrage, es gebe fünfzig veröffentlichte wissenschaftliche Studien zum Thema. Diese belegten, dass grosse Gruppen, welche die Transzendentale Meditation inklusive des yogischen Fliegens ausübten, die Gesellschaft positiv beeinflussten.

Der Mann, der an einen Zusammenhang zwischen Hüpfen und Wirtschaftswachstum glaubt, ist einer von fünf Vorstandsmitgliedern der «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz» (OdA-AM). Diese Dachorganisation hat derzeit einen wichtigen Auftrag inne: Sie reglementiert im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) die Berufsausbildung von nicht ärztlichen Alternativmedizinern. Ziel ist die Schaffung von eidgenössisch anerkannten Berufsabschlüssen.

Das BBT hält fest: «Die Etablierung eines eidgenössischen Abschlusses ist ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung in diesem wachsenden Markt.» Der Bund strebe eine einheitliche Ausbildung im unübersichtlichen Feld der Alternativmedizin an. Zu diesem Zweck unterstützt er die OdA-AM finanziell, bisher mit 174 800 Franken. Damit fliessen Steuergelder an eine Organisation, in deren Vorstand ein Yogi-Flieger sitzt und der Verband der Yogi-Flieger einer von sieben Mitgliederverbänden ist.

Das BBT scheint es nicht zu kümmern, dass Yogi-Flieger über die Anforderungen an einen eidgenössischen Berufsabschluss mitbestimmen. «Das kommentieren wir nicht», sagt BBT-Sprecherin Helen Stotzer. Massnahmen drängten sich aus ihrer Sicht nicht auf. Reagieren will das Amt erst, wenn sich bei der Erarbeitung der Berufsprüfungen «bildungspolitische Konflikte» ergeben.

Auch Hans Altherr, Co-Präsident der OdA-AM, stört sich nicht am Yogi-Flieger im Vorstand. Als der TA den Appenzeller FDP-Ständerat jedoch mit Rutz’ Aussagen zum Yogi-Fliegen konfrontiert, sagt er: «Das geht zu weit.»

Konkret erarbeitet die OdA-AM Berufsbilder für die vier Fachrichtungen traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie, europäische Naturheilkunde und ayurvedische Medizin. Im letzten Bereich sind die Yogis besonders aktiv. So sind sie unter dem Namen «Schweizer Verband für Maharishi Ayurveda» Mitglied im OdA-AM. Rutz sagt zwar, die von den Yogi-Fliegern angewandte Transzendentale Meditation sei nicht Inhalt des Fachbereichs Ayurveda.

Im aktuellen Bulletin des OdA-AM übernehmen es jedoch die Yogi-Flieger, den Fachbereich Ayurveda vorzustellen. Aus ihrer Sicht befasst sich die indische Heilkunst auch mit dem kollektiven Bewusstsein der Gesellschaft, der Vorhersage negativer Ereignisse und dem Einklang von Städtebau und Naturgesetz. In diesem Zusammenhang hat die Sekte vorgeschlagen, Städte wie Zürich niederzuwalzen und neu aufzubauen (siehe unten). Bleibt abzuwarten, wie stark es den Yogis gelingt, ihre Ansichten in eidgenössisch anerkannte Berufsausbildungen einfliessen zu lassen.